Seit 2006 fin­det all­jähr­lich ein Aus­tausch zwi­schen Betrof­fe­nen mit erwor­be­nen Hirn­schä­den und Pro­fis statt. Zen­tra­les The­ma des dies­jäh­ri­gen Kon­gres­ses war das Bun­des­teil­ha­be­ge­setz und damit, ob es für die Betrof­fe­nen und deren Ange­hö­ri­ge genug Hilfs­an­ge­bo­te gibt.

Gera­de für Betrof­fe­ne von Schä­del­hirn­ver­let­zun­gen und deren Ange­hö­ri­ge ist eine sehr früh­zei­ti­ge Bera­tung und damit der zeit­na­he Start von Nach­sor­ge- und Reha-Maß­nah­men enorm wich­tig. Es gibt auch durch­aus Bera­tungs­stel­len, die sich an die­se Ziel­grup­pe wen­den. Lei­der ist deren Exis­tenz nur wenig bekannt. Das soll und muss sich ändern. Dies kann nur durch Ver­net­zung gesche­hen, aber auch durch ein ein­heit­li­ches und trans­pa­ren­tes Ver­fah­ren der Bedarfs­fest­stel­lung bei Schä­del­hirn­pa­ti­en­ten.

Ein­heit­li­che Bedarfs­fest­stel­lung bei Betrof­fe­nen mit erwor­be­nen Hirn­schä­den

Damit letz­te­res so funk­tio­niert, hat der Gesetz­ge­ber schär­fe­re Vor­schrif­ten for­mu­liert, nach denen die Leis­tungs­trä­ger arbei­ten müs­sen. Das zieht nach sich, dass die Trä­ger nach­wei­sen müs­sen, dass sie nach die­sen Vor­schrif­ten arbei­ten.

Bei der Bedarfs­fest­stel­lung der Betrof­fe­nen soll von den Leis­tungs­er­brin­gern und den Leis­tungs­trä­gern die ICF-Klas­si­fi­ka­ti­on zugrun­de gelegt wer­den. Die Fest­le­gung der ICF-Num­me­rie­rung als Basis für die Klas­si­fi­ka­ti­on wird die Arbeits­ge­mein­schaft Teil­ha­be, Reha­bi­li­ta­ti­on, Nach­sor­ge und Inte­gra­ti­on nach Schä­del­hirn­ver­let­zung in der nächs­ten Zukunft ins­be­son­de­re vor­an­trei­ben.

Auf die­se Wei­se wür­de die Bedarfs­er­mitt­lung ver­ein­heit­licht. Bis­her gibt es kein ein­heit­li­ches Ver­fah­ren in der Bedarfs­er­mitt­lung, aber über 400 Instru­men­te, anhand derer indi­vi­du­el­le Bedar­fe fest­ge­legt wer­den. Dabei sind die exis­tie­ren­den Vor­schrif­ten schwer ver­ständ­lich for­mu­liert.

Indi­vi­du­el­le Reha-Maß­nah­men mit Mit­spra­che der Betrof­fe­nen

Bei allen Reha-Maß­nah­men muss die Mög­lich­keit bestehen, die­se (spä­ter) zuhau­se, im all­täg­li­chen Umfeld, fort­zu­füh­ren. Die Maß­nah­men müs­sen teil­ha­be­be­zo­gen sein und die Fami­lie und das sozia­le Umfeld mit ein­be­zie­hen. Dabei ist es sehr wich­tig, dass die Betrof­fe­nen selbst ein Mit­spra­che­recht haben.

Außer­dem kann die Unter­stüt­zung von Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­den nur ganz indi­vi­du­ell in einem sozia­len Umfeld mit einem siche­ren Netz­werk orga­ni­siert wer­den. Dafür muss ein indi­vi­du­el­les Teil­ha­be­kon­zept für jeden Betrof­fe­nen mit den Leis­tungs­trä­gern und den Leis­tungs­er­brin­gern erar­bei­tet wer­den. Alle Leis­tungs­trä­ger soll­ten sich dabei auf ein ein­heit­li­ches Leis­tungs­recht und eine ein­heit­li­che Pla­nung und Steue­rung stüt­zen. Eben­so soll­ten Ent­gelt­ver­ein­ba­run­gen und Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen gleich sein. Fer­ner ist es not­wen­dig, dass sich die Leis­tungs­er­brin­ger unter­ein­an­der abstim­men. Noch ist offen, wer die­se Abspra­chen bezahlt. Gene­rell soll­te es aber bei einem kom­ple­xen Hil­fe­be­darf eine Gesamt­pla­nung der Teil­ha­be geben.

Pro­fes­sio­nel­le- und Peer­be­ra­tung

Neben pro­fes­sio­nel­len Bera­tungs­an­ge­bo­ten gibt es auch in die­sem Bereich die Peer­be­ra­tung, die Bera­tung von Betrof­fe­nen durch Betrof­fe­ne. Die­se ist ein wert­vol­les Instru­ment, da die­se Hilfs­an­ge­bo­te von Betrof­fe­nen eher ange­nom­men und die dort mit­ge­nom­me­nen Emp­feh­lun­gen auch eher in die Tat umge­setzt wer­den. Den­noch ist die pro­fes­sio­nel­le Bera­tung unab­ding­bar. Dar­über hin­aus müs­sen die Bera­ter nicht nur all­ge­mein, son­dern auch zu den ein­zel­nen Behin­de­run­gen bera­ten kön­nen. Nur das hilft den Betrof­fe­nen und den Ange­hö­ri­gen.

Neue Instru­men­te: Teil­ha­be­pla­nung und Teil­ha­be­pla­nung

Ganz abge­se­hen von allen Bera­tungs­an­ge­bo­ten for­dern Men­schen mit Behin­de­rung eine indi­vi­du­el­le Teil­ha­be­pla­nung und (fall­be­zo­ge­ne) Teil­ha­be­kon­fe­ren­zen als Chan­ce für die Betrof­fe­nen, selbst mit­spre­chen zu kön­nen. Dies aber bit­te auf Augen­hö­he. Dabei muss der Mensch mit sei­nen Wün­schen und Bedürf­nis­sen im Mit­tel­punkt ste­hen und sei­ne Indi­vi­dua­li­tät muss in jedem Fall berück­sich­tigt wer­den.

 

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