Domi­ni­que Kogut und ihre Rosa­lie sind einer gro­ßen Inter­net­ge­mein­de als „Team Rosa­lie“ ein Begriff. Auch wegen eines Kalen­ders, den Domi­ni­que Kogut 2018 her­aus­ge­ge­ben hat, um mit den Ein­nah­men Rosa­lies Aus­bil­dung zum Assis­tenz­hund finan­zie­ren zu kön­nen. „Kei­ne Kran­ken­kas­se oder Behör­de über­nimmt sol­che Aus­bil­dungs­kos­ten, außer bei Blin­den­führ­hun­den“, erläu­tert die 35-Jäh­ri­ge. „Die machen aber nur einen ganz klei­nen Anteil von Assis­tenz­hun­den aus. Es gibt neben Dia­be­ti­ker­warn­hun­den und Epi­lep­sie­warn­hun­den eine gro­ße Viel­zahl von Assis­tenz­hun­den.

Zeit­in­ten­siv & teu­er

In mei­nem Fall wird Rosa­lie zu einem Roll­stuhl­be­gleit­hund aus­ge­bil­det.“ Die Aus­bil­dung ist sehr zeit­in­ten­siv und damit auch teu­er. „Und weil damit so viel Geld zu ver­die­nen ist, herrscht ein gewis­ses Cha­os in Deutsch­land, weil vie­le Assis­tenz­hun­de aus­bil­den, denen eigent­lich das Fach­wis­sen dazu fehlt“, kri­ti­siert Domi­ni­que Kogut, die wegen ihrer Klein­wüch­sig­keit einen Assis­tenz­hund in ihrem Leben haben möch­te.
„In Deutsch­land wird so vie­les ganz genau gere­gelt, außer im Bereich der Aus­bil­dung von Assis­tenz­hun­den. Jeder Hun­de­trai­ner, der nach §11 des Tier­schutz­ge­set­zes eine Hun­de­schu­le eröff­nen darf, kann in die­sem Bereich aktiv wer­den. Da ist viel Geld zu ver­die­nen. Ein gut aus­ge­bil­de­ter Roll­stuhl­be­gleit­hund kann 25.000 Euro kos­ten. Lei­der kos­ten auch die schlecht aus­ge­bil­de­ten Hun­de so viel. Vie­le Trai­ner machen es sich da leicht. Sie brin­gen den Hun­den nur Tricks bei, wie man Socken aus­zieht, Din­ge vom Boden für den Roll­stuhl­fah­rer hoch­hebt, Schub­la­den oder Türen für ihn öff­net. Was sehr oft fehlt, ist, dass sich die­se soge­nann­ten Assis­tenz­hun­de-Aus­bil­der über­haupt mit dem Men­schen und sei­ner Ein­schrän­kung beschäf­ti­gen. So wer­den die­se angeb­li­chen Assis­tenz­hun­de ein­fach über das Inter­net ver­kauft, ohne dass sich Hun­de­trai­ner und der Mensch mit Behin­de­rung über­haupt je ken­nen­ge­lernt haben. Des­halb wür­de ich mir wün­schen, dass eine bun­des­weit ein­heit­li­che Aus­bil­dung für die­sen Beruf ent­steht, damit ein Qua­li­täts­stan­dard geschaf­fen wird. Zur­zeit gibt es noch nicht ein­mal ein­heit­li­che Aus­wei­se oder Kenn­de­cken für Assis­tenz­hun­de. Was wir wirk­lich brau­chen, ist eine Art Güte­sie­gel.

Aus­bil­dung selbst steu­ern

Nach­dem ich nicht ganz so gute Erfah­run­gen mit dem Modell „Fremd­aus­bil­dung“ (jemand ande­res bil­det den Hund zuerst aus, erst dann wird man „zusam­men­ge­führt“) machen muss­te habe ich mich die­ses Mal ent­schie­den, mei­nen Hund selbst aus­zu­bil­den. Ich habe mir ganz gezielt Trai­ner gesucht, die sich mit mei­nen Ein­schrän­kun­gen beschäf­ti­gen und mir das Know-how in den Berei­chen ver­mit­teln, wo es noch fehlt. Tat­säch­lich lernt bei uns einer vom ande­ren, wir sind ein gutes Team — eben Team Rosa­lie. Aller­dings muss man bei jedem genau schau­en, wel­ches Modell für den ein­zel­nen sinn­vol­ler ist. Eine neu­tra­le Bera­tungs­stel­le wäre da sicher­lich auch sin­voll.
Als sinn­voll sieht Domi­ni­que Kogut es auch an, wenn das The­ma Assis­tenz­hund in den Fokus der Öffent­lich­keit gebracht wer­den wür­de. „Assis­tenz­hun­de arbei­ten und das nicht nur, wenn sie aktiv gera­de eine Schub­la­de öff­nen. Sie müs­sen ihre Kon­zen­tra­ti­on auch dann auf­recht­erhal­ten, wenn sie ruhig neben Frau­chen und Herr­chen lie­gen. Des­halb soll­ten Assis­tenz­hun­de nicht abge­lenkt wer­den. Vie­le wol­len einen Hund, der zum Bei­spiel neben einem Roll­stuhl her­läuft, ein­fach strei­cheln. Außen­ste­hen­de müs­sen aber dar­über auf­ge­klärt wer­den, dass die­ser Hund, egal wie süß er auch ist, gera­de arbei­tet und kei­ne Ablen­kung gebrau­chen kann. Vie­le der schlecht aus­ge­bil­de­ten Hun­de zei­gen gera­de hier gro­ße Defi­zi­te und las­sen sich ganz schnell ablen­ken. Eine Kata­stro­phe für den Men­schen, der auf die Hil­fe sei­nes Assis­tenz­hun­des ange­wie­sen ist.“
Auch für das Jahr 2019 hat Domi­ni­que Kogut einen Kalen­der geplant, um Geld für Rosa­lies Aus­bil­dung zu sam­meln. Der Weg der bei­den hin zum per­fek­ten Team ist näm­lich noch nicht abge­schlos­sen. Das proro­ba-Team wünscht dem „Team-Rosa­lie“ wei­ter­hin viel Erfolg dabei.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter www.team-rosalie.de

 

Text: Frank Mül­ler
Foto: Simon Stob­be Foto­gra­fie