Eigent­lich kön­nen behin­der­te oder chro­nisch kran­ke Stu­den­ten im Stu­di­um indi­vi­du­el­le Nach­teils­aus­glei­che in Anspruch neh­men. Doch nur 29 Pro­zent nut­zen das auch, obwohl auf ihrem Weg zum erfolg­rei­chen Abschluss in der Regel vie­le Bar­rie­ren über­wun­den wer­den müs­sen. Für Men­schen mit Seh­be­hin­de­rung ist oft der weit­läu­fi­ge Cam­pus eine Her­aus­for­de­rung. Lei­der gibt es auch nur weni­ge Bücher oder Skrip­te von Dozen­ten, die direkt auch digi­ta­li­siert und bar­rie­re­frei auf­be­rei­tet wer­den. Genau wie Men­schen mit Seh­be­hin­de­rung haben auch Stu­die­ren­de, die in der Mobi­li­tät ein­ge­schränkt sind, mit dem Zeit­fak­tor zu kämp­fen, um pünkt­lich zu den Ver­an­stal­tun­gen zu kom­men, weil bar­rie­re­frei Wege meist sehr viel län­ger sind. Stu­den­ten mit Hör­be­ein­träch­ti­gung haben oft Pro­ble­me mit der schlech­ten Akus­tik in den gro­ßen Hör­sä­len. Bemän­gelt wird auch, dass die Hör­sä­le oft über­füllt sind und Dozen­ten mit­un­ter unacht­sam sind und zu wenig Rück­sicht beson­ders auf Stu­den­ten mit Hör­be­hin­de­rung neh­men.

Proro­ba-Tipp:  Stu­die­ren­de soll­ten sich mög­lichst früh an die Bera­tungs­stel­len der Hoch­schu­len oder Stu­den­ten­wer­ke wen­den. Die Bera­ter sind zur Ver­trau­lich­keit ver­pflich­tet. Also weg mit fal­schen Hem­mun­gen.

Wie kön­nen Nach­teils­aus­glei­che aus­se­hen?

Nach­teils­aus­glei­che kön­nen sehr unter­schied­lich gestal­tet wer­den. So kann mehr Zeit für Stu­di­en- und Prü­fungs­leis­tun­gen wie Klau­su­ren, Haus- oder Abschluss­ar­bei­ten ein­ge­räumt wer­den. Sogar ein indi­vi­du­el­ler Stu­di­en­plan ist mög­lich. Eben­so kön­nen Bedin­gun­gen für Prü­fun­gen ver­än­dert und Prak­ti­ka ver­legt wer­den. Eine Form des Nach­teils­aus­glei­ches kann auch sein, dass einem hör­be­hin­der­ten Stu­den­ten einen Gebär­den­sprach­dol­met­scher in einer Prü­fung zur Ver­fü­gung gestellt wird. Auch ande­re Assis­tenz­leis­tun­gen sind mög­lich. Unter die tech­ni­schen Hil­fen kann ein Com­pu­ter mit Sprach­aus­ga­be oder einer Braille­zei­le fal­len. Sol­che Hil­fen müs­sen meist selbst gekauft wer­den. Für die Finan­zie­rung sind die Sozi­al­äm­ter zustän­dig.

Was bei der Antrag­stel­lung zum Nach­teils­aus­gleich zu beach­ten ist

Ein Antrag auf Nach­teils­aus­gleich wird beim Prü­fungs­amt oder dem Prü­fungs­aus­schuss der Uni­ver­si­tät oder der Fach­hoch­schu­le gestellt. Hier fin­det auch die Ent­schei­dung statt. Dabei ist die Antrag­stel­le­rin oder der Antrag­stel­ler ver­pflich­tet, dem Prü­fungs­aus­schuss oder dem Prü­fungs­amt ein fach­ärzt­li­ches oder amts­ärzt­li­ches Attest vor­zu­le­gen. Aus dem Attest muss her­vor­ge­hen, wie die Ein­schrän­kun­gen die Leis­tun­gen im Stu­di­um beein­flus­sen oder ver­hin­dern. Wich­tig ist auch, dass das Attest Vor­schlä­ge für Maß­nah­men ent­hält, die man bei Prü­fun­gen umset­zen soll­te, um das Stu­di­um zu erleich­tern. Manch­mal muss zusätz­lich eine Stel­lung­nah­me des Behin­der­ten­be­auf­trag­ten oder eine Kopie des Schwer­be­hin­der­ten­aus­wei­ses vor­ge­zeigt wer­den.

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