Im Wald der Fach­be­grif­fe und Steu­er­erlas­se ist es häu­fig nicht ein­fach, den Über­blick über sei­ne Pflich­ten, jedoch vor allem sei­ne Rech­te, zu behal­ten.
Häu­fig fühlt man sich in den nicht enden wol­len­den Vor­schrif­ten, Kon­struk­ten und Gesetz­mä­ßig­kei­ten allei­ne gelas­sen.
Vie­le die­ser Rege­lun­gen haben jedoch vor allem ein vor­ran­gi­ges Ziel:

Gleich­be­rech­ti­gung.

So auch das berei­nig­te Net­to­ein­kom­men.
Das berei­nig­te Net­to­ein­kom­men stellt das tat­säch­lich vor­han­de­ne Net­to­ein­kom­men eines Arbeit­neh­mers dar. Es setzt sich zusam­men aus dem steu­er­li­chen Net­to­ein­kom­men, das ein Arbeit­neh­mer für sei­ne Leis­tung erhält und gewis­sen Zu-und Abschlä­gen, die für jeden indi­vi­du­ell sind.

Das berei­nig­te Net­to­ein­kom­men dient damit vor allem als Berech­nungs­grund­la­ge für Fami­li­en- und Unter­halts­recht. Es soll sicher­stel­len, dass der Zah­lungs­pflich­ti­ge trotz der zu erbrin­gen­den Unter­halts­leis­tung sein eige­nes Leben finan­zi­ell bestrei­ten kann. Die­ser soge­nann­te Selbst­be­halt unter­schei­det sich, je nach­dem, wem gegen­über Unter­halt erbracht wer­den muss.
Unter Berück­sich­ti­gung des Selbst­be­halts kann dann fest­ge­stellt wer­den, ob Unter­halt gezahlt wer­den kann oder muss.
Je nach Art des Unter­halts­an­spru­ches wer­den dafür ent­we­der Tabel­len, wie die Düs­sel­dor­fer Tabel­le zu Rate gezo­gen oder das eige­ne Ver­mö­gen und Ein­kom­men.

Unter­halts­an­sprü­che haben grund­sätz­lich Kin­der gegen­über ihren Eltern (Kin­des­un­ter­halt), Eltern gegen­über ihren Kin­dern (Eltern­un­ter­halt) und Ehe­gat­ten gegen­über ihren Ex-Ehe­part­nern (Ehe­gat­ten­un­ter­halt). Je nach Unter­halts­an­spruch erge­ben sich dar­aus unter­schied­li­che kon­kre­te Unter­halts­be­rech­nun­gen.

Doch nicht nur für den Unter­halts­schuld­ner soll es fair zuge­hen, denn auch den Kin­dern, denen häu­fig der Unter­halt zuteil­wird, soll durch das berei­nig­te Net­to­ein­kom­men ein gerech­ter Anteil an  dem tat­säch­li­chen Ein­kom­men des Zah­lungs­pflich­ti­gen gege­ben wer­den.
Des­we­gen wer­den unter­schied­li­che Kom­po­nen­ten betrach­tet, um das jeweils indi­vi­du­el­le berei­nig­te Net­to­ein­kom­men zu bil­den. Dabei wird zwi­schen Abzü­gen und Zuschlä­gen unter­schie­den.

Eini­ge Bei­spie­le für Zuschlä­ge

  • Net­to­ein­kom­men aus nicht selbst­stän­di­ger Arbeit
    Dazu zäh­len bei­spiels­wei­se Kapi­tal­er­trä­ge, Abfin­dun­gen und Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen.
  • Geld­wer­te Vor­tei­le
    Wie eige­ne Immo­bi­li­en, denn die­se erhö­hen die Zah­lungs­fä­hig­keit durch eine Kos­ten­er­spar­nis der Mie­te.
  • Wei­te­re gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen

Eini­ge Bei­spie­le für Abzü­ge

  • Auf­wen­dun­gen wie Lebens­ver­si­che­rung, Kran­ken­ver­si­che­rung und Unfall­ver­si­che­rung
  • Berufs­be­ding­ter Auf­wand je nach Ein­zel­fall
  • Schul­den

Berech­nung des berei­nig­ten Net­to­ein­kom­mens

Da das berei­nig­te Net­to­ein­kom­men von vie­len indi­vi­du­el­len Fak­to­ren abhängt, ist eine kon­kre­te Berech­nung, die uni­ver­sell gilt, schwie­rig.
Grund­sätz­lich gilt es jedoch fest­zu­stel­len, wel­che per­sön­li­chen Ein­künf­te zusätz­lich bestehen, da die­se auf das steu­er­li­che Net­to­ein­kom­men ange­rech­net wer­den.

Es gibt aller­dings auch eine Rei­he von Abzü­gen, die das berei­nig­te Net­to­ein­kom­men und somit auch die zu leis­ten­de Unter­halts­zah­lung sen­ken.
Denn auch der Zah­lungs­pflich­ti­ge soll in sei­nem per­sön­li­chen Leben nicht ein­ge­schränkt wer­den.
Daher wer­den Auf­wän­de, wie Rei­ni­gung der Arbeits­klei­dung, Fahrt­kos­ten, Arbeits­mit­tel, die der Arbeit­neh­mer selbst beschaf­fen muss, und sogar Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren, vom Net­to­ein­kom­men abge­zo­gen.

Zusam­men­fas­send ist das berei­nig­te Net­to­ein­kom­men also sehr dif­fe­ren­ziert zu betrach­ten. Eine Viel­zahl von Fak­to­ren neh­men dar­auf Ein­fluss, so dass eine fai­re und gleich­be­rech­tig­te Unter­halts­zah­lung für alle ermög­licht wird.

Text: Pia Stei­ger­wald
Foto: Pixabay