„Ich bin eben so ein­ge­stellt“, erklärt Anton Jan­sen sei­ne Freu­de am Ehren­amt und sozia­lem Enga­ge­ment. Der 64-jäh­ri­ge ehe­ma­li­ge Metall­bau­er lei­tet nicht nur seit 18 Jah­ren an Schu­len Fuß­ball-Grup­pen, son­dern hilft auch ger­ne auf pri­va­ter Ebe­ne.

 

Über ein Inter­net­fo­rum zum The­ma Fuß­ball lern­te er vor fünf Mona­ten den Mön­chen­glad­bach-Fan Björn Jan­zen ken­nen. Der 46-Jäh­ri­ge ist schwerst­be­hin­dert. Schnell reich­te bei­den der Aus­tausch über Sky­pe nicht mehr und so wur­de kur­zer­hand ein Besuchs­ter­min ver­ein­bart.

 

Zwar hat­te mir Björn im Vor­feld viel von sei­ner Krank­heit und sei­nen Ein­schrän­kun­gen geschrie­ben, doch wuss­te ich nicht, was mich genau erwar­ten wür­de“, erzählt Anton Jan­sen vol­ler Begeis­te­rung. „Über das Sky­pen hat­te ich gese­hen, dass Björn fast alles nur mit den Füßen machen kann. Als ich dann aus Was­sen­berg anreis­te und wir uns tra­fen, hat es mich die Lebens­freu­de von Björn förm­lich umge­hau­en. Ich habe noch nie einen Men­schen erlebt, der so lebens­froh ist wie Björn. Mit einer Fuß­man­schet­te schält Björn Kar­tof­feln und Möh­ren. Mit einer ande­ren Man­schet­te tippt er am Com­pu­ter oder am Smart­pho­ne. Björn ist ein rich­tig tol­ler Typ. Mitt­ler­wei­le besu­che ich ihn alle 14 Tage.“

Eine tie­fe Freund­schaft ent­stand so inner­halb kür­zes­ter Zeit zwi­schen den bei­den.

Björn hat zwar einen Pfle­ge­dienst und eine Haus­häl­te­rin, doch da die­se alle unter Zeit­druck ste­hen, kann sich nicht so geküm­mert wer­den, wie Björn das ger­ne hät­te und wie es ihm eigent­lich auch zuste­hen soll­te. Des­halb kom­me ich auch ger­ne dann, wenn Björn sams­tags schwim­men geht. Ich put­ze in die­ser Zeit die Fens­ter, schrub­be mal rich­tig das Bad, kau­fe etwas ein und berei­te das Essen vor. Kommt Björn dann nach Hau­se, unter­neh­men wir etwas. Fah­ren zu Seen, wo wir uns lei­der oft über feh­len­de behin­der­ten­ge­rech­te Wege auf­re­gen.

Das alles mache ich nicht nur ger­ne, son­dern es ist auch wich­tig für mich. Ich habe mich durch Björn posi­tiv ver­än­dert. Ich gehe durch ihn ganz anders mit Men­schen um, die eine Behin­de­rung haben. Mitt­ler­wei­le sind wir so ver­traut mit­ein­an­der, dass ich Björn auch rasie­re und dusche. Für Björn ist das auch ein gro­ßer Gewinn an Lebens­qua­li­tät, weil ich mir dafür Zeit neh­men kann, wie es Mit­ar­bei­ter von Pfle­ge­diens­ten ein­fach nicht kön­nen.

Aus die­ser Erfah­rung ent­wi­ckel­te Björn schließ­lich auch die Idee, dass er ger­ne sein Leben mit Hil­fe des Per­sön­li­chen Bud­gets füh­ren möch­te. Der Antrag ist jetzt in Bear­bei­tung. Björn ist genau der Rich­ti­ge, um ein selbst­be­stimm­tes Leben zu füh­ren. Für den Som­mer haben wir einen gemein­sa­men Urlaub an der Mosel geplant. Da freu­en wir uns sehr drauf. Eines ist sicher, wir wer­den jede Men­ge Spaß haben.

Text: F.Müller
Foto: Björn Jan­zen & Anton Jan­sen