Letz­te Woche haben wir die Fahr­schu­le Fenn­pfuhl aus Ber­lin vor­ge­stellt, die Men­schen mit Han­di­caps zu mehr Fle­xi­bi­li­tät und Selbst­stän­dig­keit im All­tag zu ver­hel­fen möch­te. Wer bis­lang gedacht hat, ein­ar­mig Auto zu fah­ren, sei nicht mög­lich, oder Klein­wüch­sig­keit wür­de ihm den Traum vom eige­nen Fahr­zeug rui­nie­ren, der liegt falsch. Moderns­te Tech­no­lo­gi­en sor­gen dafür, dass heu­te fast jeder ein Auto fah­ren kann, wenn er das möch­te.

Damit die Fahr­pra­xis direkt erprobt wer­den kann, stellt die Fahr­schu­le Fenn­pfuhl für die Aus­bil­dung ein Fahr­zeug, das bereits mit allen not­wen­di­gen tech­ni­schen Hilfs­mit­teln aus­ge­stat­tet ist. Für den spä­te­ren Umbau des eige­nen Pkw ist jedoch jeder selbst ver­ant­wort­lich. Dafür gibt es spe­zi­el­le Umrüst­fir­men, die es sich zur Auf­ga­be gemacht haben, Ein­zel­an­fer­ti­gun­gen und Son­der­lö­sun­gen her­zu­stel­len. Die­se las­sen sich mitt­ler­wei­le in ganz Deutsch­land fin­den, da die Nach­fra­ge an indi­vi­du­el­len Anpas­sun­gen zuneh­mend ansteigt.

Dar­über hin­aus erleich­tern Son­der­park­ge­neh­mi­gun­gen das Par­ken in eigent­lich ver­bo­te­nen Berei­chen. Per­so­nen mit außer­ge­wöhn­li­chen Geh­be­hin­de­run­gen, beid­sei­ti­ger Ame­lie oder Pho­kome­lie, sowie Men­schen mit ver­gleich­ba­ren Funk­ti­ons­ein­schrän­kun­gen und Blin­de kön­nen die­se Geneh­mi­gung bean­tra­gen. Oft ist es für die­se Men­schen auch mög­lich, einen Park­platz direkt vor ihrer Woh­nung oder ihrem Arbeits­platz zu erhal­ten.

Fol­gen­de Hil­fe­stel­lun­gen im Auto sind bereits mög­lich:

  • Dreh­knauf

Ziel: Füh­rung des Fahr­zeu­ges ohne Los­las­sen des Lenk­ra­des mit einer Hand
Ein­satz: Quer­schnitts­läh­mung, Feh­len von Glied­ma­ßen (Hand, Arm, Bei­ne), halb­sei­ti­ge Läh­mun­gen – Para­ple­gi­en, Para­pa­re­sen, Zustand nach Schlag­an­fäl­len, Mul­ti­ple Skle­ro­se

  • Lenk­ga­bel – Drei­zack
    Ziel: zum Fixie­ren des Hand­ge­lenks, um ein siche­res Füh­ren der Len­kung mit einem Hand­ge­lenk zu ermög­li­chen
    Ein­satz: bei Hand­ge­lenks­ver­stei­fun­gen oder feh­len­den Glied­ma­ßen. Zusätz­lich ist der Ein­satz auch bei Funk­ti­ons­aus­fäl­len des neu­ro­mus­ku­lä­ren Sys­tems (z.B. Mul­ti­ple Skle­ro­se), ICP oder spas­ti­schen Par­e­sen denk­bar.
  • Links­sei­ti­ges Gas­pe­dal
    Ziel: ermög­licht die Bedie­nung des Gas­pe­dals im Auto­ma­tik-Pkw mit dem lin­ken Fuß
    Ein­satz: zum Aus­gleich eines feh­len­den rech­ten Bei­nes oder Fußes, bei rechts­sei­ti­gen Läh­mun­gen, ICP, Zustand nach Schlag­an­fall, Spas­ti­ken rechts
  • Pedal­ver­län­ge­rung
    Ziel: ver­län­gert die Fuß­pe­da­le im Auto­ma­tik- und im Schalt­fahr­zeug
    Ein­satz: vor allem bei Klein­wüch­sig­keit und ver­kürz­ten unte­ren Glied­ma­ßen
  • Schalt­he­bel­ver­län­ge­rung
    Ziel: dient der Ver­län­ge­rung des Schalt­he­bels im Schalt­wa­gen
    Ein­satz: vor allem bei Klein­wüch­sig­keit und ver­kürz­ten unte­ren Glied­ma­ßen
  • Umle­gung von Blink­licht bzw. Schei­ben­wi­scher
    Ziel/Einsatz: Bedie­nung des Blink­licht­schal­ters bzw. Schei­ben­wi­scher­schal­ter bei feh­len­der Hand oder feh­len­dem Arm mit der ande­ren Hand, wird auch bei halb­sei­ti­gen Läh­mun­gen und bei Ver­kür­zun­gen der Mus­ku­la­tur des lin­ken Armes ein­ge­setzt.
  • Satel­lit
    Ziel: ermög­licht die Bedie­nung der elek­tri­schen Bedien­ele­men­te des Fahr­zeugs bei ein­hän­di­ger Lenk­rad­be­die­nung durch einen Dreh­knauf ohne Lenk­ga­bel. Dabei muss das Lenk­rad nicht los­ge­las­sen wer­den
    Ein­satz: Bei Quer­schnitts­läh­mung, sowie Ver­lust bzw. Para­ple­gi­en bzw. Para­p­re­sen der obe­ren Glied­ma­ßen
  • Hand­ge­rät für Gas und Brem­se
    Ziel: Bedie­nung von Gas und Brem­se inklu­si­ve Hand­brem­sen mit der Hand
    Ein­satz: Mög­lich­keit zum Aus­gleich, wenn das Bedie­nen der Peda­le im Fuß­raum nicht mög­lich ist, bei Para­pa­re­sen, Para­ple­gi­en, ICP, MS oder auch bei Krank­heits-, und unfall­be­ding­ter Quer­schnitts­läh­mung
  • Joy­stick
    Ziel: Der Joy­stick ermög­licht die Bedie­nung von Len­kung, Gas und Brem­se mit einer Hand. Die­ses ist mit rechts oder auch mit links mög­lich.
    Ein­satz: Bei Funk­ti­ons­aus­fäl­len des neu­ro­mus­ku­lä­ren Sys­tems anwend­bar, ins­be­son­de­re bei Mus­kel­dys­tro­phie und -atro­phie, ICP-Para­ple­gi­en, sowie Para­pa­re­sen mit ein­ge­schränk­ter Funk­tio­na­li­tät der Arme bzw. Hän­de
  • Mini­lenk­rad
    Ziel: Das Len­ken wird über das Mini­lenk­rad und per Joy­stick (links/rechts) ermög­licht. Die Bedien­kraft ist manu­ell ein­stell­bar und das Auto bleibt wei­ter­hin jeder­zeit mit dem ursprüng­li­chen Lenk­rad fahr­bar.
    Ein­satz: Bei Funk­ti­ons­aus­fäl­len des neu­ro­mus­ku­lä­ren Sys­tems anwend­bar, ins­be­son­de­re bei Mus­kel­dys­tro­phie und -atro­phie, ICP-Para­ple­gi­en, sowie Para­pa­re­sen mit ein­ge­schränk­ter Funk­tio­na­li­tät der Arme bzw. Hän­de

Fahr­schu­len, die ein Fahr­erleb­nis mit Han­di­cap anbie­ten, gibt es selbst­ver­ständ­lich nicht nur in Ber­lin, son­dern in ganz Deutsch­land. Bis­her sind 122 Fahr­schu­len an dem Pro­jekt Fah­ren mit Han­di­cap betei­ligt und ermög­li­chen den Weg zur eige­nen Fahr­erlaub­nis.

Die Inter­net­sei­te www.autoanpassung.de stellt dazu eine Fil­te­rung nach Behin­de­run­gen zur Ver­fü­gung, mit der gezielt die nahe­lie­gends­te Fahr­schu­le mit pas­sen­der Spe­zia­li­sie­rung gefun­den wer­den kann.

Mit die­sen Hil­fen und Tricks steht der Fahr­erlaub­nis mit Han­di­cap nichts mehr im Wege, außer der eige­nen Moti­va­ti­on, sich selbst hin­ter das Steu­er zu set­zen. Mobi­li­tät bleibt so kein Traum mehr, son­dern wird Wirk­lich­keit.