Psy­chi­sche und see­li­sche Erkran­kun­gen neh­men zu. Vie­le wis­sen nicht, dass sie den Grad der Behin­de­rung fest­stel­len las­sen und ent­spre­chen­den Nach­teils­aus­gleich erhal­ten kön­nen.

Sie sind für Außen­ste­hen­de meist nicht sicht­bar, wie Dia­be­tes, Krebs oder auch Herz-Kreis­lauf­erkran­kun­gen. Doch genau wie kör­per­li­che, nicht von außen erkenn­ba­re Erkran­kun­gen, zu star­ken Beein­träch­ti­gun­gen füh­ren kön­nen, „behin­dern“ auch psy­chi­sche und see­li­sche Erkran­kun­gen. Die Zahl der Men­schen, die davon betrof­fen sind, nimmt stän­dig zu. Mitt­ler­wei­le neh­men sie an Häu­fig­keit den trau­ri­gen zwei­ten Platz nach Herz- und Kreis­lauf­erkran­kun­gen ein. Ihre Aus­wir­kun­gen auf das Leben der Betrof­fe­nen kön­nen enorm sein und zu star­ken Ein­schrän­kun­gen füh­ren.

Was vie­le Betrof­fe­ne aber nicht wis­sen: Den Grad Behin­de­rung (GdB) fest­stel­len zu las­sen und ent­spre­chen­de Nach­teils­aus­glei­che zu erhal­ten, ist auch für Men­schen mit psy­chi­scher und see­li­scher Beein­träch­ti­gung mög­lich. Im Sozi­al­ge­setz­buch IX (SGB IX) heißt es dazu:

Men­schen mit Behin­de­run­gen sind Men­schen, die kör­per­li­che, see­li­sche, geis­ti­ge oder Sin­nes­be­ein­träch­ti­gun­gen haben, die sie in Wech­sel­wir­kung mit ein­stel­lungs- und umwelt­be­ding­ten Bar­rie­ren an der gleich­be­rech­tig­ten Teil­ha­be an der Gesell­schaft mit hoher Wahr­schein­lich­keit län­ger als sechs Mona­te hin­dern kön­nen. …“

Zwar zieht nicht jede psy­chi­sche Erkran­kung eine Behin­de­rung nach sich, doch kön­nen sie gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen auf den Lebens­all­tag haben. Zur Arbeit zu gehen, Kon­tak­te zu pfle­gen oder sich selbst zu ver­sor­gen kann schwer fal­len oder sogar unmög­lich sein.

Da es sich um indi­vi­du­el­le Lei­dens­ge­schich­ten han­delt, ist die Bewer­tung einer psy­chi­schen Ein­schrän­kung nicht ein­fach. Für die Beur­tei­lung des GdB wer­den des­halb immer die Aus­wir­kun­gen einer Beein­träch­ti­gung auf die Teil­ha­be am Leben in der Gemein­schaft betrach­tet.

Grund­la­ge für die Fest­stel­lung des GdB ist die Ver­sor­gungs-Medi­zin­ver­ord­nung (Vers­MedV). Hier sind Erkran­kun­gen und Ein­schrän­kun­gen auf­ge­führt und es wer­den Anhalts­punk­te gege­ben, wel­cher GdB für wel­che Ein­schrän­kung gel­tend gemacht wer­den kann. In die­ser Ver­sor­gungs­me­di­zin-Ver­ord­nung sind in Teil B unter 3. „Ner­ven­sys­tem und Psy­che“ unter ande­rem Psy­cho­sen, Neu­ro­sen, Per­sön­lich­keits­stö­run­gen und Fol­gen psy­chi­scher Trau­ma­ta auf­ge­führt. Die­se kön­nen zum Bei­spiel Angst­zu­stän­de, Pho­bi­en, Zwangs­stö­run­gen, Depres­sio­nen und sozia­le Anpas­sungs­schwie­rig­kei­ten zur Fol­ge haben. Auch Sucht­krank­hei­ten wie Dro­gen- oder Alko­hol­ab­hän­gig­keit und deren Aus­wir­kun­gen kön­nen zu einem Grad der Behin­de­rung füh­ren.

Um sei­nen GdB fest­stel­len zu las­sen, muss bei der Kom­mu­nal­ver­wal­tung oder beim Ver­sor­gungs­amt einen Antrag gestellt wer­den. Zur Beur­tei­lung der Beein­träch­ti­gung wird in der Regel auch ein psych­ia­tri­sches Gut­ach­ten her­an­ge­zo­gen.

Liegt eine psy­chi­sche Behin­de­rung vor, kann es ver­schie­de­ne Hil­fen für das Berufs- und Pri­vat­le­ben geben. Dazu zäh­len zum Bei­spiel The­ra­pi­en, betrieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment oder auch Unter­stüt­zung durch per­sön­li­che Assis­tenz.

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