Die Aus­sa­ge: “Mir geht es gut” ist immer rela­tiv — sogar, wenn sie ernst gemeint ist. Jeder Mensch, der mit einer gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kung lebt, weiß das. Und jeder Mensch, der schon län­ge­re Zeit im Pfle­ge­be­reich arbei­tet, auch.

Denn die Grund­vor­aus­set­zun­gen für den Zustand, den wir als kör­per­li­ches und geis­ti­ges Wohl­be­fin­den bezeich­nen, sind sehr unter­schied­lich.

Ein Quer­schnitts­ge­lähm­ter kann sich nur sehr ein­ge­schränkt bewe­gen. Trotz­dem kann er mit Fug und Recht sagen “Es geht mir gut”, wenn er z.B. ein selbst­ge­steck­tes beruf­li­ches Ziel erreicht hat, das pri­va­te Umfeld stimmt oder er gera­de einen ent­spann­ten Urlaub genießt. Einem Wach­kom­a­pa­ti­en­ten kann man anse­hen, ob er sich wohl fühlt, oder nicht. Er braucht die Men­schen um sich, die ihm Sicher­heit geben, eben­so wie fes­te Struk­tu­ren, die sei­nen All­tag für ihn erfass­bar machen. Zu man­chem Krank­heits­bild gehört eine sprach­li­che Ein­schrän­kung, die nicht die men­ta­le Fähig­keit betrifft, Gedan­ken in Wor­te zu fas­sen, son­dern in einer für den Zuhö­rer nor­ma­len Laut­stär­ke zu spre­chen. Das macht es gera­de für den Spre­chen­den anstren­gend. Denn er weiß ja um die  „Norm­laut­stär­ke“, und bemüht sich natür­lich, die­se zu errei­chen. Damit stra­pa­ziert er/sie aber kon­ti­nu­ier­lich Stimm­bän­der und/oder Atmung. Oft bleibt am Ende Hei­ser­keit und das Bedürf­nis, sich erst­mal vom Gespräch zu erho­len, dass ein „nor­ma­ler“ Mensch so nicht kennt.

Alle die­se Ein­schrän­kun­gen an sich erschwe­ren dem Betrof­fe­nen die gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen Leben, da sie nicht so flink, so prä­sent, so laut sind, wie ande­re.

Dann ist es gut, wenn der empa­thi­sche Gesprächs­part­ner bzw. Beglei­ter – Fami­lie, per­sön­li­che Assis­ten­ten, Freun­de, … — die nega­ti­ven Gefüh­le auf­fängt und umlei­tet oder für Ablen­kung sorgt. Damit ret­tet er für sich und den Betrof­fe­nen die Situa­ti­on und oft den rest­li­chen Tag 😉

Text: Brit­ta Som­mer

Bild: Doris Röhl