Eli­as kam mit star­ken Behin­de­run­gen auf die Welt. Der Grund dafür
wur­de nie gefun­den.“
(„So mensch­lich kann Pfle­ge sein“ S.37)

Ralf Mon­réal

Inha­ber von proro­ba und Autor von “So mensch­lich kann Pfle­ge sein — Per­sön­li­ches Bud­get kon­tra Fremd­be­stim­mung”

Selbst­ver­ständ­lich über­nimmt sei­ne Mut­ter Anna Koschmie­der die Pfle­ge ihres Soh­nes.  „Es ist mir bis heu­te ein Rät­sel, wie eine Pfle­ge­kraft Eli­as falsch in den Roll­stuhl set­zen konn­te oder war­um ande­re gro­be Lücken beim Ver­ste­hen von medi­zi­ni­schen Fach­be­grif­fen hat­ten“, führt Anna Koschmie­der wei­ter aus. Häu­fig hat­te es Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me mit den Pfle­ge­diens­ten gege­ben oder zwi­schen­mensch­li­che Schwie­rig­kei­ten bei der Umset­zung von Eli­as Pfle­ge sei­en auf­ge­tre­ten.

Gute und geeig­ne­te Pfle­ge ist lei­der schwer zu fin­den und nicht sel­ten mit hohen Kos­ten ver­bun­den. Oft sind die­se jedoch unmög­lich von den Betrof­fe­nen allei­ne trag­bar. Selbst wenn Betrof­fe­ne von Bekann­ten, Freun­den oder Ange­hö­ri­gen ehren­amt­lich gepflegt wer­den, blei­ben vie­le Stel­len offen, an denen das Geld für das all­täg­li­che Leben fehlt.

Des­halb steht Per­so­nen, die nicht von öffent­li­chen Trä­gern gepflegt wer­den, grund­sätz­lich ein Pfle­ge­geld zu. Richt­wert für die Höhe der Geld­leis­tung ist dabei der fest­ge­stell­te Pfle­ge­grad der Per­son. Einer­seits soll das Pfle­ge­geld damit eine Erstat­tung für die Auf­wen­dung des Pfle­gers dar­stel­len und zum ande­ren den all­täg­li­chen Bedarf des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen abde­cken. In vol­lem Umfang wird das Pfle­ge­geld jedoch nur gewährt, wenn kein ambu­lan­ter Pfle­ge­dienst in Anspruch genom­men wird.

Doch nicht immer gibt es jeman­den aus dem nahen Bekann­ten­kreis, der die Zeit auf­wen­den kann einen Ange­hö­ri­gen zu pfle­gen. In die­sen Fäl­len stel­len Pfle­ge­kas­sen oder Sozi­al­hil­fe­trä­ger eine Pfle­ge­kraft, die ihre Kos­ten direkt mit der Kran­ken­kas­se oder ande­ren Kos­ten­trä­gern abrech­net.
Das bedeu­tet jedoch nicht, dass für die­se Men­schen grund­sätz­lich eine Zah­lung des Pfle­ge­gel­des ent­fällt. Denn es gibt die Mög­lich­keit, auch neben bereits bestehen­den Leis­tun­gen, Pfle­ge­geld zu bean­tra­gen, wenn die Höhe die­ser nicht aus­reicht.
Aller­dings kann das Pfle­ge­geld in die­sen Fäl­len gekürzt wer­den. Das antei­li­ge Pfle­ge­geld, wel­ches sich nach der Kür­zung ergibt, rich­tet sich dabei je nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les und bereits in Anspruch genom­me­nen Leis­tun­gen.

Eine Zah­lung des Pfle­ge­gel­des ist auch dann zu gewäh­ren, wenn der pfle­ge­ri­sche Bedarf einer Per­son in vol­lem Umfang durch pro­fes­sio­nel­le Pfle­ge abge­deckt wird. Zwar erhält der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge in die­sem Fal­le bereits Pfle­ge­sach­leis­tun­gen, die­se decken jedoch nicht zusätz­li­chen Unter­stüt­zungs­be­darf, wie bei­spiels­wei­se erhöh­ten Wäsche­be­darf, ab. Des­we­gen wird dar­über hin­aus in vie­len Fäl­len pau­scha­les Pfle­ge­geld gewährt, um die fami­liä­ren Auf­wen­dun­gen zu ver­gü­ten.

Eine Aus­zah­lung des Pfle­ge­gel­des ist folg­lich nur dann zu ver­sa­gen, wenn das Geld nicht gemäß sei­nem Zweck ver­wen­det wird. Eine Ableh­nung der Zah­lung des Pfle­ge­gel­des ist jedoch eher ein Aus­nah­me­fall. Sie muss hin­rei­chend begrün­det wer­den und über­zeu­gend zei­gen, dass das Pfle­ge­geld nicht zweck­ge­recht für die Pfle­ge ver­wen­det wer­den kann.

Es ist ein Rät­sel, war­um das Pfle­ge­geld so oft von den Kos­ten­trä­gern ange­grif­fen wird. Nicht sel­ten mit dem Ziel, es voll­stän­dig zu kür­zen. Stellt das Pfle­ge­geld doch eine Mög­lich­keit der Betrof­fe­nen dar, wenigs­ten einen klei­nen Teil ihres Lebens gestal­ten zu kön­nen.
Auch Anna Koschmie­der hat einen lan­gen Kampf geführt, um zu zei­gen, dass Eli­as „nicht nur ein Name und eine Num­mer ist, son­dern ein lie­bens­wer­ter Mensch. Dass er ein Jun­ge ist, der ganz viel Lie­be ver­dient hat und braucht […].“ (So mensch­lich kann Pfle­ge sein“ S.40, Ralf Mon­réal)
Bei­spie­le wie die­ses zei­gen, dass Pfle­ge am Ende des Tages doch vor allem eines sein soll­te: mensch­lich.

 

Text: P. Stei­ger­wald
Foto: Pixabay