Ein selbst­be­stimm­tes und frei­es Leben ist für vie­le von uns selbst­ver­ständ­lich. Wir tref­fen Ent­schei­dun­gen, regeln unse­re Finan­zen und küm­mern uns um all­täg­li­che Fami­li­en­an­ge­le­gen­hei­ten. Doch was pas­siert, wenn wir dazu auf ein­mal nicht mehr in der Lage sind? Was, wenn wir durch einen Unfall oder per­sön­li­chen Schick­sals­schlag nicht mehr die Fähig­keit besit­zen unser eige­nes Leben zu gestal­ten?

Für sol­che Fäl­le gibt es eine gesetz­li­che Betreu­ung. Eine gesetz­li­che Betreu­ung kann auf vie­le ver­schie­de­ne Auf­ga­ben­be­rei­che ange­wen­det wer­den, je nach­dem, in wel­chem Lebens­be­reich Defi­zi­te für den Betrof­fe­nen exis­tie­ren. Grund­sätz­lich besteht die Pflicht des zuge­wie­se­nen Betreu­ers dann dar­in, Scha­den vom Betreu­ten abzu­wen­den.

Wer küm­mert sich um mein Ver­mö­gen?

Auch für die Ver­wal­tung des eige­nen Ver­mö­gens kann ein Betreu­er zur Sei­te gestellt wer­den. Sei­ne Auf­ga­ben umfas­sen dann vor allem eines: das Ver­mö­gen best­mög­lich zu sichern und zu meh­ren.

Zwar soll­te von dem Betreu­er dar­auf geach­tet wer­den, das Ver­mö­gen mög­lichst lan­ge zu erhal­ten, jedoch soll­te der ursprüng­li­che Lebens­stil des Betreu­en­den nicht ein­ge­schränkt wer­den.
Zu den Pflich­ten des Betreu­ers kann außer­dem eine Über­prü­fung der Wohn­ver­hält­nis­se zäh­len.

Woh­nung oder Pfle­ge­heim?

Um eine best­mög­li­che Betreu­ung zu sichern, ist es manch­mal sinn­voll, den eige­nen Haus­halt auf­zu­lö­sen und in ein geeig­ne­tes Heim umzu­zie­hen. Eine Haus­halts­auf­lö­sung ist jedoch nicht sel­ten mit viel Arbeit ver­bun­den. Sie geht ein­her mit einer Säu­be­rung, Sanie­rung oder gar Ent­mül­lung der Woh­nung. All die­se Auf­ga­ben fal­len in den Bereich des Betreu­ers, inso­fern ihm der Auf­ga­ben­be­reich „Woh­nungs­an­ge­le­gen­heit“ über­tra­gen wur­de.

Auch der Abschluss und die Erhal­tung von Miet­ver­trä­gen, eine Abwehr von Woh­nungs­kün­di­gun­gen oder die Ver­tre­tung bei Kün­di­gungs- oder Räu­mungs­ver­fah­ren zäh­len zu den Pflich­ten des Betreu­ers.

Pro­ble­ma­tisch wird das Gan­ze nur dann, wenn die eige­ne Fami­lie plötz­lich kein Mit­spra­che­recht mehr über den Ver­bleib des Betrof­fe­nen hat oder gar per­sön­li­che Gegen­stän­de bei der Haus­en­t­rüm­pe­lung ent­sorgt wur­den.

Dabei ist jedoch immer im Hin­ter­kopf zu behal­ten, dass der Betreu­er in kei­nem Fal­le gegen den Betreu­en­den und sei­ne Wün­sche arbei­ten darf. Viel­mehr ist er ihm zur Sei­te gestellt, damit er sein Leben best­mög­lich meis­tern kann. Gera­de des­halb soll dem Betrof­fe­nen, soweit die­ses rea­li­sier­bar ist, auch die Mög­lich­keit gege­ben wer­den, in sein ver­trau­tes Umfeld zurück­zu­keh­ren.  Auch hier wird die­se Mög­lich­keit durch den Betreu­er sicher­ge­stellt, der die Woh­nung mög­lichst lan­ge hal­ten soll. Ein gewalt­sa­mes Betre­ten der Woh­nung durch den Betreu­er ist zudem nur zuläs­sig, wenn die­ses aus­drück­lich von einem Gericht ange­ord­net wird. Das Recht auf Unver­letz­lich­keit der Woh­nung (Art. 13 GG) soll für den Betrof­fe­nen wei­test­ge­hend bestehen blei­ben, da es sich hier­bei um ein grund­ge­setz­lich geschütz­tes Recht han­delt.

Ledig­lich Not­fäl­le, die nahe­le­gen, dass der Betreu­te sich in einem lebens­be­droh­li­chen Zustand inner­halb der ver­schlos­se­nen Woh­nung befin­det, ermäch­ti­gen den Betreu­er zu einem gewalt­sa­men Betre­ten ohne eine vor­he­ri­ge Geneh­mi­gung.

Ein gesetz­li­cher Betreu­er ist also kei­nes­falls als eine Ent­mün­di­gung des eige­nen Lebens zu ver­ste­hen. Viel­mehr ist er jemand, der, inso­fern es mög­lich ist, in unse­rem Wil­len han­deln soll und uns und unse­re Lebens­füh­rung unter­stüt­zen und sichern soll, wenn wir selbst dazu nicht mehr in der Lage sind.